Archivhinweis: Dieser Beitrag wurde am 23. August 2026 nachträglich in das LexVault-Briefings-Archiv aufgenommen. Themenanlass: 2. Juni 2026; redaktionell aktualisiert am 23. August 2026.
Liebe Kanzleileitung, bei "Müssen Mandanten über KI-Einsatz informiert werden?" hilft kein weiterer Grundsatzbeschluss. Nötig ist eine kleine Zahl überprüfbarer Entscheidungen.
Ein kurzer Brief an die Kanzleileitung
KI ist im Rechtsmarkt vom Versuchsfeld zur Managementfrage geworden. Lizenzen, Regeln und Schulungen wachsen jedoch oft schneller als belastbare Arbeitsweisen. Das Thema ist leise, aber strategisch wichtig. Wer nur auf äußere Signale reagiert, behandelt Symptome. Bitte behandeln Sie das Thema weder als reine Fachfrage noch als Aufgabe, die vollständig an IT, HR, Marketing oder Innovation abgegeben werden kann.
Erste Entscheidung
Entscheiden Sie zuerst, was besser werden soll. Die zentrale Entscheidung lautet nicht, ob KI grundsätzlich gut oder schlecht ist. Sie lautet, welche Aufgabe unter welchen Daten-, Qualitäts- und Verantwortungsbedingungen unterstützt werden darf. Unabhängig von einer pauschalen Pflicht lohnt eine risikobasierte Transparenz, wenn KI die Leistung, Datenverarbeitung oder Erwartung des Mandanten berührt.
Zweite Entscheidung
Entscheiden Sie dann, wie Sie Beweise sammeln. Mandatsbedingungen prüfen. Definieren Sie Ergebnis, Verantwortliche und eine beobachtbare Abnahmebedingung. Relevante Fälle definieren. Arbeiten Sie mit einem echten, repräsentativen Fall. Geeignete Kennzahlen sind Nutzungsquote im vorgesehenen Prozess, Zeit bis zum geprüften Ergebnis, Fehlerklassen, Eskalationen und nachweisbarer Nutzen.
Dritte Entscheidung
Entscheiden Sie schließlich über Verantwortung und Ende. Klare Sprache nutzen. Legen Sie fest, wer entscheidet, wer prüft und wer bei Unsicherheit stoppt. Einwilligung nicht vortäuschen. Messen Sie Wirkung und Nebenwirkung nach einem festen Zeitraum. Überinformation kann Vertrauen ebenso beschädigen wie Verschweigen.
Bitte nicht delegieren
Eine mittelgroße Kanzlei hat mehrere KI-Lizenzen gekauft. Zwei Partner nutzen sie täglich, drei Teams gar nicht, und niemand kann sagen, welche Mandatsdaten in welches System dürfen. Genau in solchen Alltagssituationen zeigt sich Führung.
Meine Bitte ist einfach: Setzen Sie ein Datum, einen Verantwortlichen und einen echten Fall. Sonst bleibt "Müssen Mandanten über KI-Einsatz informiert werden?" eine Debatte, die alle wichtig finden und niemand entschieden hat.
Noch ein Gedanke vor der Entscheidung
Bei KI-Projekten liegt der blinde Fleck häufig zwischen Modell und Mandat. Dort sitzen Berechtigungen, Datenflüsse, Quellen, menschliche Prüfung und die Frage, wer einen fehlerhaften Entwurf erkennt. Genau diese unspektakulären Details entscheiden über den Betrieb. Entscheidend ist, "Mandatsbedingungen prüfen" und "Klare Sprache nutzen" im selben Arbeitsablauf zu verbinden. Sonst verbessert die Kanzlei einen Teil und verschiebt das Problem an die nächste Übergabe.
Quellen und Stand
- Legal Tech Verband Deutschland – Legal Tech Monitor 2026, 2026-06-03
- BRAK / CCBE – Technischer Leitfaden KI, 2026-04-23
Redaktioneller Stand: 23. August 2026. Empfehlungen und Bewertungen sind redaktionelle Einordnungen auf Grundlage der genannten Quellen.