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Vendor Lock-in bei Kanzleisoftware: Der Exit-Test vor dem Vertrag

Datenexport, Schnittstellen, Kündigungsunterstützung und Know-how-Transfer gehören in die Auswahlphase. Praxisnah eingeordnet für den deutschen Rechtsmarkt

Archivhinweis: Dieser Beitrag wurde am 23. August 2026 nachträglich in das LexVault-Briefings-Archiv aufgenommen. Themenanlass: 29. Mai 2026; redaktionell aktualisiert am 23. August 2026.

Vier Maßnahmen, zwölf Anbieter und zwanzig Meinungen später ist "Vendor Lock-in bei Kanzleisoftware: Der Exit-Test vor dem Vertrag" häufig noch immer nicht entschieden. Das Problem liegt selten am Mangel an Informationen.

Ein 90-Tage-Plan

Kanzlei-IT ist Betriebsgrundlage und Teil professioneller Sorgfalt. Ausfälle, Fehlkonfigurationen oder unklare Zugriffe treffen Fristen, Vertraulichkeit und Mandantenvertrauen zugleich. Das Thema ist leise, aber strategisch wichtig. Wer nur auf äußere Signale reagiert, behandelt Symptome. Ein Quartal reicht nicht für Perfektion, aber für eine belastbare Richtungsentscheidung.

Tag 1 bis 30: verstehen

Die ersten 30 Tage dienen dem Verstehen. Exportformat testen. Definieren Sie Ergebnis, Verantwortliche und eine beobachtbare Abnahmebedingung. Gespräche mit den Beteiligten sind wichtiger als eine vorschnelle Lösungsskizze.

Tag 31 bis 60: erproben

Im zweiten Monat wird erprobt. Montag, 7.40 Uhr: Ein zentrales System ist nicht erreichbar. Die Technik arbeitet, aber im Büro ist unklar, wer Mandanten informiert, welche Fristen betroffen sind und wo die aktuelle Kontaktliste liegt. API-Rechte sichern. Arbeiten Sie mit einem echten, repräsentativen Fall. Exit-Kosten deckeln. Legen Sie fest, wer entscheidet, wer prüft und wer bei Unsicherheit stoppt.

Tag 61 bis 90: entscheiden

Im letzten Drittel folgt die Entscheidung. Datenlöschung belegen. Messen Sie Wirkung und Nebenwirkung nach einem festen Zeitraum. Relevant sind Wiederanlaufzeit, Patch-Stand, MFA-Abdeckung, privilegierte Konten, Restore-Erfolg, offene Risiken und geübte Reaktionszeiten.

Die Stop-Regel

Maximale Portabilität kann Integrationsvorteile eines Ökosystems schmälern. Die Stop-Regel muss vor dem Test feststehen. Sie schützt Budget, Mandate und Mitarbeitende davor, dass ein Pilot aus Gewohnheit weiterläuft.

Datenexport, Schnittstellen, Kündigungsunterstützung und Know-how-Transfer gehören in die Auswahlphase. Nach 90 Tagen sollte darüber entschieden werden können, nicht nur darüber gesprochen.

Die zweite Ebene

Sicherheit zeigt sich nicht in einer Richtlinie, sondern am schlechten Tag: ein Konto ist gesperrt, ein Gerät verloren, ein Dienst nicht erreichbar. Dann müssen Ersatzweg, Kontaktkette und Verantwortung ohne Suche funktionieren. Entscheidend ist, "Exportformat testen" und "Exit-Kosten deckeln" im selben Arbeitsablauf zu verbinden. Sonst verbessert die Kanzlei einen Teil und verschiebt das Problem an die nächste Übergabe.

Quellen und Stand

Redaktioneller Stand: 23. August 2026. Empfehlungen und Bewertungen sind redaktionelle Einordnungen auf Grundlage der genannten Quellen.